Internetsucht in verschiedenen LebensphasenRatgeber
Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen
Nach der DAK-Studie vom Herbst 2025 erfüllten 4,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen die Kriterien einer Computerspielstörung und 6,6 Prozent die einer pathologischen Nutzung sozialer Medien, bei den 14- bis 17-Jährigen sogar 10,2 Prozent. Warnsignale sind etwa aufgegebene Hobbys, vernachlässigte Pflichten und Medien als Flucht vor Stress. Eltern und Jugendliche bekommen kostenlos Rat, zum Beispiel bei der Nummer gegen Kummer.

Spiele, Messenger, Kurzvideos: Für die meisten Kinder und Jugendlichen gehören sie zum Alltag. Fast alle 10- bis 17-Jährigen sehen regelmäßig Online-Videos, und rund neun von zehn Mädchen nutzen regelmäßig soziale Medien [1]. Bei einem Teil gerät die Nutzung aus dem Gleichgewicht. In Studien liegen die Werte bei jungen Menschen höher als bei Erwachsenen [3], und sie unterscheiden sich je nach Alter, Geschlecht und Medium.
Wie viele junge Menschen betroffen sind
Die genauesten aktuellen Zahlen liefert die Längsschnittstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) im Auftrag der DAK-Gesundheit. Im Herbst 2025 wurden dafür 1.005 Kinder und Jugendliche von 10 bis 17 Jahren mit je einem Elternteil online befragt [1]. Gemessen wurde mit Fragebögen nach den Kriterien der ICD-11 [1].
- Digitale Spiele: 4,5 Prozent erfüllten die Kriterien einer Computerspielstörung, 6,6 Prozent spielten riskant [1].
- Soziale Medien: 6,6 Prozent nutzten sie pathologisch, 21,5 Prozent riskant [1].
- Online-Videos: 4,0 Prozent nutzten sie pathologisch, 21,4 Prozent riskant. Die riskante Nutzung stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 60 Prozent [1].
Pathologisch heißt in der Studie, dass alle Kernkriterien erfüllt sind und der Alltag deutlich beeinträchtigt ist. Riskant heißt, dass einzelne Kriterien teilweise zutreffen, ohne dass es bisher eine solche Beeinträchtigung gibt [1]. Hochgerechnet zeigen mehr als 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche eine riskante oder pathologische Nutzung sozialer Medien [1].
Eine ältere Datenreihe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) misst mit einem anderen Fragebogen. Danach hatten 2019 7,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen eine computerspiel- oder internetbezogene Störung, nach 3,2 Prozent im Jahr 2011 [2]. Warum die Studien zu unterschiedlichen Werten kommen, erklärt Wie verbreitet ist Internetsucht?.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Jungen und Mädchen nutzen digitale Medien unterschiedlich. 89,5 Prozent der Jungen spielen mindestens einmal pro Woche, 45,5 Prozent täglich. Bei den Mädchen sind es 65,6 und 18,0 Prozent [1]. Entsprechend waren Jungen 2025 mit 6,7 Prozent fast dreimal so häufig von einer Computerspielstörung betroffen wie Mädchen mit 2,3 Prozent [1].
Bei sozialen Medien gab es dagegen keinen signifikanten Unterschied: 6,7 Prozent der Jungen und 6,5 Prozent der Mädchen nutzten sie pathologisch. Bei den Mädchen hat sich der Wert gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, 2024 lag er bei 3,2 Prozent [1]. Deutlich ist der Unterschied nach Alter. Von den 14- bis 17-Jährigen waren 10,2 Prozent betroffen, von den 10- bis 13-Jährigen 2,7 Prozent [1]. Bei Spielen und Online-Videos unterschieden sich die beiden Altersgruppen dagegen nicht signifikant [1].
Die Studie PINTA, deren Projektlaufzeit 2011 endete, hatte bei den 14- bis 16-Jährigen mehr wahrscheinlich abhängige Mädchen (4,9 Prozent) als Jungen (3,1 Prozent) gefunden. Die betroffenen jungen Frauen nutzten vor allem soziale Netzwerke [3]. Beim Spielen zeigt sich in beiden Studien ein Übergewicht der Jungen: In der DAK-Studie waren sie häufiger von einer Computerspielstörung betroffen, in PINTA nannten abhängige junge Männer häufiger Onlinespiele als Hauptaktivität als abhängige junge Frauen (33,6 gegenüber 7,2 Prozent). Bei sozialen Medien fand PINTA damals mehr betroffene Mädchen, die DAK-Studie 2025 keinen signifikanten Unterschied [1, 3].
Nutzungszeiten und Plattformdesign
Wer regelmäßig spielt, verbrachte im Herbst 2025 an Schultagen im Schnitt 89 Minuten mit digitalen Spielen und am Wochenende 138 Minuten, deutlich weniger als ein Jahr zuvor [1]. Soziale Medien kamen auf 146 Minuten werktags und 201 Minuten am Wochenende, Online-Videos auf 108 und 151 Minuten. Bei den Videos stiegen die Zeiten weiter an [1].
Die Studienautorinnen und Studienautoren richten den Blick deshalb auf die Gestaltung von Kurzvideo-Plattformen: personalisierte Empfehlungen, endloses Scrollen und automatisch startende Videos [1]. Sie verweisen auf ein laufendes Verfahren nach dem europäischen Digital Services Act, in dem die EU-Kommission vorläufig zu der Einschätzung kam, dass das "süchtig machende Design" von TikTok gegen EU-Recht verstoßen könnte. Zweifel äußerte die Kommission dort auch an Schutzfunktionen wie Bildschirmzeit- und Elternkontrollen, die sich leicht umgehen ließen [1].
KI-Chatbots als neues Thema
In der Befragung 2025 ging es auch um Chatbots mit künstlicher Intelligenz. 38,8 Prozent der 10- bis 17-Jährigen nutzten sie mindestens einmal pro Woche [1]. Kinder und Jugendliche mit mindestens leichten depressiven Beschwerden nutzten Chatbots häufiger, um sich weniger einsam zu fühlen, sich von negativen Gefühlen abzulenken oder um Dinge zu erzählen, die sie sonst kaum jemandem sagen würden [1]. Die Studie weist darauf hin, dass sich aus diesen Zusammenhängen keine Ursachen ableiten lassen [1].
Warnsignale im Alltag
Lange Phasen mit viel Spielen oder Scrollen sind für sich noch kein Grund zur Sorge, weil das Interesse oft wieder nachlässt. Eine problematische Entwicklung verläuft meist schleichend [4]. Das Portal "Ins Netz gehen" des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt Anzeichen, auf die Eltern achten können [4]:

- Medien dienen als Trost, als Flucht aus der realen Welt oder zum Abbau von Stress.
- Medien sind dem Kind wichtiger als die reale Welt und bestimmen die Freizeit, frühere Hobbys werden aufgegeben.
- Schul- und häusliche Pflichten werden vernachlässigt.
- Folgen wie Müdigkeit, Haltungsschäden oder der Verlust von Freundschaften werden in Kauf genommen.
Auch die Persönlichkeit, der Freundeskreis, fehlende Kontakte und Stress können eine problematische Nutzung begünstigen [4]. Viele Jugendliche merken selbst, dass ihnen die Kontrolle schwerfällt. In der JIM-Studie 2025 sagten 68 Prozent der 12- bis 19-Jährigen, es falle ihnen schwer, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren. Rund 30 Prozent sind morgens oft müde, weil sie das Handy nachts zu spät weglegen [5]. Eine ausführliche Liste steht unter Symptome der Internetsucht.
Eine Diagnose kann nur eine Fachkraft stellen. Jugendliche können ihre Nutzung vorab mit dem Medienkonsum-Check einschätzen, Erwachsene mit dem Mediensucht-Test auf check-dich-selbst.de. Ein Test ersetzt das Gespräch aber nicht.
Was Eltern tun können
"Ins Netz gehen" rät, zuerst genau hinzusehen: wie lange und wofür das Kind Medien nutzt. Dafür gibt es dort ein Medientagebuch und einen Kurzfragebogen mit Auswertung [4]. Im Gespräch hilft es, ruhig zu bleiben, die Sorgen offen anzusprechen, Verständnis zu zeigen und auf Vorwürfe zu verzichten. Mit Abwehr ist zu rechnen [4]. Strikte Verbote helfen nach dem Portal nicht unbedingt, gemeinsame Vereinbarungen und kleine Schritte zu einer gesunden Nutzung eher [4].

Die Leitlinie zur Vorbeugung eines dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, federführend erstellt von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und im Juli 2023 veröffentlicht, gibt Familien Orientierung [6]:
- medienfreie Zeiten und gemeinsame Aktivitäten, ausreichend Bewegung
- keine Bildschirme bei den Mahlzeiten und im Schlafzimmer, eine Stunde vor dem Schlafen keine Nutzung mehr
- Medien nicht als Belohnung, Strafe oder zur Beruhigung einsetzen
- Nutzungszeiten gemeinsam und nach Alter festlegen, Jugendschutzeinstellungen nutzen
- das eigene Medienverhalten als Vorbild prüfen
Für 12- bis 16-Jährige nennt die Leitlinie höchstens ein bis zwei Stunden am Tag und keine Nutzung nach 21 Uhr. Ein eigenes Smartphone mit eingeschränktem Internetzugang empfiehlt sie frühestens ab 9 Jahren, besser ab 12 [6]. An Eltern richtet sie außerdem den Rat, in Gegenwart jüngerer Familienmitglieder möglichst auf Bildschirme zu verzichten und bei übermäßiger Nutzung einen Selbsttest zu machen und, wenn nötig, fachliche Hilfe zu suchen [6]. Mehr zu Zeitgrenzen steht im Ratgeber Medienzeit auf jugend.check-dich-selbst.de. Wie Familien Regeln aushandeln, erklärt Medienregeln in der Familie vereinbaren. Ideen für Zeit ohne Bildschirm sammelt die Seite Spiele für draußen.
Regeln werden mit dem Alter seltener
In der DAK-Studie legten 75,5 Prozent der Eltern von 10- bis 13-Jährigen oft oder sehr oft fest, wann und wie lange ihr Kind Medien nutzen darf. Bei Eltern von 14- bis 17-Jährigen waren es 39,6 Prozent [1]. Über die Nutzung gesprochen haben 78,8 Prozent der Eltern Jüngerer und 61,5 Prozent der Eltern Älterer [1]. Die Studienautorinnen und Studienautoren empfehlen, begleitende Formen der Medienerziehung, die auf Gespräche setzen, stärker zu fördern. Rein technische Kontrollen wirken nach ihrer Einschätzung nur begrenzt [1]. Eltern Jüngerer informierten sich 2025 häufiger als im Vorjahr über Gefahren im Netz und wie man ihnen vorbeugt, 60,6 Prozent taten das oft oder sehr oft [1].
Hilfe für Familien
Kinder und Jugendliche können die Nummer gegen Kummer unter 116 111 anrufen, von Montag bis Samstag zwischen 14 und 20 Uhr. Der Anruf kostet nichts, und den Namen muss niemand nennen [7]. Samstags beraten dort Jugendliche andere Jugendliche [7]. Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0 550, montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr [7].

Die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 ist täglich von 8 bis 24 Uhr besetzt und kostet 0,20 Euro pro Anruf [8]. "Ins Netz gehen" führt eine Datenbank mit Beratungsstellen [4]. Weitere Angebote, auch per Chat und E-Mail, stehen unter Beratungsstellen und Hilfetelefone. Wie Eltern mit der eigenen Sorge umgehen, beschreibt Hilfe für Angehörige.
- Studie Wiedemann, H.; Busch, K.; Schlichter, N.; Gebhardt, L.; Paschke, K.: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisbericht 2025/2026 (Studie OTTER, achte Erhebungswelle). DAK-Gesundheit, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Stand korrigierte Fassung vom 08.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019: Zentrale Ergebnisse zu Computerspielen und Internet (Info-Blatt). Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Stand 15.12.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Rumpf, H.-J.; Meyer, C.; Kreuzer, A.; John, U.: Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA), Kurzbericht. Bundesministerium für Gesundheit, Universität Lübeck. Stand Projektende 14.02.2011. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Anzeichen von Mediensucht bei Kindern. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie JIM-Studie 2025 veröffentlicht (Pressemitteilung 4/2025). Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). Stand November 2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (zur S2k-Leitlinie, AWMF-Register 027-075). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon und Elterntelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sucht & Drogen Hotline. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation TelefonSeelsorge Deutschland. TelefonSeelsorge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 116117: Der Patientenservice. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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