Internetsucht verstehenRatgeber
Folgen der Internetsucht für Körper, Psyche und Alltag
Problematische Internetnutzung geht häufig mit Schlafproblemen, Bewegungsmangel und Schmerzen in Nacken oder Händen einher. Studien finden außerdem mehr Depression, Angst und ADHS, schlechtere Schulleistungen sowie Konflikte in Familie, Freundschaft und Beruf. Bei Shopping und Spielen mit Echtgeld kommen finanzielle Folgen hinzu.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, bei Computerspielen auf zwei Dinge zu achten: wie viel Zeit das Spielen anderen Tätigkeiten wegnimmt und ob sich die körperliche oder seelische Gesundheit oder das soziale Leben verändern [2]. Für Internetnutzungsstörungen insgesamt beschreibt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Beeinträchtigungen im persönlichen, familiären, sozialen, schulischen und beruflichen Leben [1]. Viele der folgenden Befunde stammen aus Studien, die einen Zusammenhang zeigen. Ob die Nutzung die Ursache ist, eine Begleiterscheinung oder beides, lässt sich daraus nicht immer ablesen. Die WHO betont außerdem, dass nur ein kleiner Teil der Menschen, die spielen, eine Störung entwickelt [2].
| Bereich | Mögliche Folgen und Begleiterscheinungen | Quellen |
|---|---|---|
| Schlaf | Schlafprobleme, kürzere Nächte, Erschöpfung | Metaanalyse, BIÖG [3, 4] |
| Körper | Bewegungsmangel, Schmerzen in Händen und Nacken, Haltungsschäden | BIÖG, DAK-Studie [7, 8, 12] |
| Psyche | häufiger Depression, Angst, ADHS und Alkoholmissbrauch, Selbstzweifel | Metaanalyse, Längsschnittstudie, BIÖG [5, 9, 10] |
| Schule und Beruf | schlechtere Leistungen, liegen gebliebene Pflichten, gefährdeter Arbeitsplatz | Längsschnittstudie, BIÖG, APA [8, 10, 11] |
| Beziehungen | abgesagte Treffen, Heimlichkeit, Einsamkeit | BIÖG [5] |
| Geld | Ausgaben außer Kontrolle, Schulden | BIÖG [13, 14] |
Schlaf
Schlafmangel gehört nach der DAK-Studie zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen zu den ersten Folgen, die sich schon bei riskanter Nutzung zeigen können [12]. Eine Metaanalyse von Zainab Alimoradi und Kollegen aus dem Jahr 2019 hat 23 Studien mit 35.684 Teilnehmenden ausgewertet. Menschen mit Internetabhängigkeit hatten eine rund 2,2-fach erhöhte Chance für Schlafprobleme und schliefen kürzer als Menschen mit unauffälliger Internetnutzung [3]. Die ausgewerteten Studien waren Beobachtungsstudien [3].

Das Präventionsportal "Ins Netz gehen" des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) erklärt drei Wege, auf denen Medien den Schlaf stören: Helles Bildschirmlicht täuscht dem Körper Tageslicht vor und verringert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, spannende Spiele und Videos halten wach, und Nutzung bis kurz vor dem Schlafengehen verkürzt die Nacht [4]. Schlafmangel schwächt nach dieser Darstellung das Immunsystem, mindert Konzentration und Leistung und kann psychische Erkrankungen begünstigen [4]. Für Kinder von 6 bis 13 Jahren nennt das Portal 9 bis 11 Stunden Schlaf, für Jugendliche von 14 bis 17 Jahren 8 bis 10 Stunden. Bei Jugendlichen wird Melatonin zudem später ausgeschüttet, sodass sie abends oft noch nicht müde sind [4].
Daraus kann ein Kreislauf werden: Die Müdigkeit am Tag führt zu weniger Bewegung und weniger Kontakten, das bringt den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander und verleitet wieder zur Mediennutzung [4]. Schlafprobleme können umgekehrt auch Anlass der Nutzung sein, etwa wenn jemand mit dem Smartphone Sorgen verdrängt. Beides kann sich nach "Ins Netz gehen" gegenseitig bedingen [4].
Körper und Bewegung
Wer viele Stunden sitzend vor einem Gerät verbringt, bewegt sich weniger. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche und rät allen Altersgruppen, sitzende Zeit zu begrenzen [6]. Bei Kindern und Jugendlichen bringt sie viel Sitzen mit mehr Körperfett, schlechterer Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit, geringerer Fitness und kürzerem Schlaf in Verbindung [6]. Diese Angaben beziehen sich auf sitzendes Verhalten allgemein, sie gelten nicht speziell für Internetsucht.

Direkter mit der Nutzung verbunden sind Beschwerden, die "Ins Netz gehen" für das Smartphone nennt: Schmerzen in Fingern, Handgelenken, Schultern oder Nacken [7]. Bei Kindern beschreibt das Portal anhaltende Müdigkeit und Haltungsschäden, die zugunsten der Mediennutzung in Kauf genommen werden [8]. Das Portal "Erste Hilfe Internetsucht" der Universitätsklinik Tübingen fragt in seiner Selbsteinschätzung ausdrücklich, ob Schlaf, Ernährung und Bewegung unter der Nutzung leiden [22]. In der DAK-Studie gehört neben dem Schlafmangel auch Bewegungsmangel zu den ersten negativen Folgen, die sich schon bei riskanter Nutzung zeigen können [12]. Als Ausgleich eignen sich Aktivitäten im Freien, für Familien etwa die Ideen unter Spiele für draußen mit Kindern.
Psyche
Problematische Internetnutzung tritt oft zusammen mit anderen psychischen Belastungen auf. In einer Metaanalyse von Roger Ho und Kollegen aus dem Jahr 2014 mit acht Studien, 1.641 Menschen mit Internetabhängigkeit und 11.210 Vergleichspersonen hatten Menschen mit Internetabhängigkeit eine deutlich höhere Chance (Odds) auf Alkoholmissbrauch, ADHS, Depression und Angst. Die Odds Ratios lagen bei 3,05 für Alkoholmissbrauch, 2,85 für ADHS, 2,77 für Depression und 2,70 für Angst [9]. Die zusammengefassten Studien waren Querschnitt-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien, die Ergebnisse beschreiben also Zusammenhänge. Eine Odds Ratio von etwa 2,8 bedeutet grob, dass die Chance für die jeweilige Belastung fast dreimal so hoch war wie in der Vergleichsgruppe.
Eine Längsschnittstudie aus Singapur deutet darauf hin, dass solche Belastungen auch auf das Verhalten folgen können. Douglas Gentile und Kollegen begleiteten 3.034 Schülerinnen und Schüler zwei Jahre lang. Depression, Angst, soziale Ängste und schlechtere Schulleistungen schienen dort auf ein krankhaftes Spielverhalten zu folgen. Die Autoren halten außerdem fest, dass ein solches Spielverhalten über Jahre anhalten kann [10]. Umgekehrt kann exzessives Spielen nach Hinweis der American Psychiatric Association (APA) auch Ausdruck einer Depression oder Angststörung sein [11]. Wie diese Wechselwirkungen entstehen, beschreibt Ursachen der Internetsucht.
Im Alltag zeigen sich psychische Folgen oft als Überforderung, Frust und Stress, wenn Online-Zeit und Pflichten nicht mehr zusammenpassen. Nachrichten im Feed können aufwühlen, Vergleiche in sozialen Netzwerken zu Unzufriedenheit und Selbstzweifeln führen, und ohne Netz treten Nervosität, Reizbarkeit oder Traurigkeit auf. Das Surfen wird dann selbst zur Ablenkung oder zum Stimmungsaufheller bei schlechter Laune [5]. Beim Doomscrolling bleibt das Gehirn nach "Ins Netz gehen" im Alarmmodus, und Pausen damit bringen neue Reize und kaum Erholung [15].
Schule, Ausbildung und Beruf
Wenn die Nutzung Vorrang bekommt, kann die Leistung leiden. In der Studie aus Singapur gehörten schlechtere Schulleistungen zu den Folgen [10]. "Ins Netz gehen" beschreibt, dass Schul- und Haushaltspflichten liegen bleiben [8], und nennt für das Lernen, dass Push-Nachrichten die Konzentration immer wieder unterbrechen und schon ein sichtbares Smartphone Aufmerksamkeit kosten kann [15]. Für Erwerbstätige hat eine weitere Bochumer Studie mit 278 Beschäftigten untersucht, was eine Stunde weniger private Smartphone-Nutzung am Tag über eine Woche bewirkt. Arbeitszufriedenheit, Motivation, die Balance zwischen Arbeit und Privatleben und die psychische Gesundheit verbesserten sich, das Gefühl der Überlastung und Anzeichen problematischer Smartphone-Nutzung gingen zurück [20]. Unter den vorgeschlagenen DSM-5-Kriterien für Computerspiele steht als schwerwiegendes Zeichen, einen Arbeitsplatz oder eine Beziehung wegen des Spielens gefährdet oder verloren zu haben [11].
Freundschaften, Familie und Partnerschaft
"Ins Netz gehen" beschreibt, dass Verabredungen abgesagt werden, um länger online zu bleiben, dass die Distanz zu Freundinnen und Freunden in Einsamkeit münden kann und dass die Nutzung vor Eltern und Freunden verheimlicht wird [5]. Die DAK-Studie nennt für pathologische Nutzung, dass soziale Kontakte vernachlässigt werden [12]. Unter den vorgeschlagenen DSM-5-Kriterien für Computerspiele findet sich auch, Familie oder andere über die Spielzeit zu täuschen [11]. Angehörige können sich an Beratungsstellen oder Fachambulanzen wenden, am besten gemeinsam mit der betroffenen Person, aber auch allein [21]. Was Angehörigen hilft, steht unter Hilfe für Angehörige.

Geld und Verträge
Bei manchen Formen kommen finanzielle Folgen hinzu. Bei der Online-Kaufsucht können Ausgaben außer Kontrolle geraten, bis hin zu Schulden und Konflikten in der Familie [13]. Angebote nach dem Muster "Buy now, pay later" wirken praktisch, können aber den Überblick über die Ausgaben kosten [13]. In Spielen und Apps lassen sich virtuelle Währungen gegen echtes Geld kaufen, und "Ins Netz gehen" warnt vor einem Kreislauf aus längerer Spielzeit und steigenden Ausgaben [14]. Minderjährige sind nicht voll geschäftsfähig. Abgeschlossene Verträge sind deshalb nicht immer gültig, ihre Rückabwicklung kann aber belastend sein [13].
Was sich wieder bessern kann
Ein Teil der Folgen lässt sich durch weniger Nutzung beeinflussen. Darauf deutet eine Studie hin: In einer Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum um die Psychologin Julia Brailovskaia mit 619 Teilnehmenden verzichtete eine Gruppe eine Woche ganz auf das Smartphone, eine zweite nutzte es täglich eine Stunde weniger, eine dritte änderte nichts. In beiden Interventionsgruppen stiegen Lebenszufriedenheit und körperliche Aktivität, Depressions- und Angstsymptome gingen zurück. Bei der Gruppe mit einer Stunde weniger hielten die meisten Effekte länger an. Vier Monate nach der Woche nutzte sie das Smartphone im Schnitt noch 45 Minuten am Tag weniger als vorher, die Verzichtsgruppe 38 Minuten [16]. Die Teilnehmenden waren Smartphone-Nutzende in Deutschland, über Menschen mit Internetsucht sagt die Studie nichts. Der Befund zeigt aber, dass schon eine kleinere Veränderung messbar sein kann.
Wie du die eigene Nutzung einschätzt, beschreibt Symptome der Internetsucht. Einen ersten Test bietet der Mediensucht-Test auf check-dich-selbst.de, für Jugendliche der Medienkonsum-Check. Praktische Schritte stehen unter Gesunde Internetnutzung im Alltag, Hilfetelefone und Adressen unter Beratungsstellen und Hilfetelefone.
- Fachgesellschaft Digitale Medien und Internet: Formen und Risiken. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Addictive behaviours: Gaming disorder (Questions and answers). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Alimoradi, Z.; Lin, C.-Y.; Broström, A.; Bülow, P. H.; Bajalan, Z.; Griffiths, M. D.; Ohayon, M. M.; Pakpour, A. H.: Internet addiction and sleep problems: A systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews 47, S. 51 bis 61, DOI 10.1016/j.smrv.2019.06.004. The Hong Kong Polytechnic University, Forschungsportal. Stand 2019. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Stören digitale Medien den Schlaf?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Auswirkungen von Internetnutzung. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Physical activity (Fact sheet). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 26.06.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Wenn die Handynutzung zum Problem wird: Anzeichen einer Smartphonesucht erkennen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Anzeichen von Mediensucht bei Kindern. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ho, R. C.; Zhang, M. W.; Tsang, T. Y. u. a.: The association between internet addiction and psychiatric co-morbidity: a meta-analysis. BMC Psychiatry 14, 183, DOI 10.1186/1471-244X-14-183. National Library of Medicine, PubMed. Stand 20.06.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gentile, D. A.; Choo, H.; Liau, A.; Sim, T.; Li, D.; Fung, D.; Khoo, A.: Pathological video game use among youths: a two-year longitudinal study. Pediatrics 127 (2), S. e319 bis e329, DOI 10.1542/peds.2010-1353. National Library of Medicine, PubMed. Stand Februar 2011. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Internet Gaming. American Psychiatric Association (APA). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde DAK-Suchtstudie: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisbericht 2025/2026 (Wiedemann, H.; Busch, K.; Schlichter, N.; Gebhardt, L.; Paschke, K., DAK-Gesundheit 2026). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Online-Shopping-Sucht und Kaufsucht. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Zu viel Zeit am Handy?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Doomscrolling beim Lernen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Weniger Smartphone, mehr Wohlbefinden (Meldung zu Brailovskaia, J. u. a., Journal of Experimental Psychology: Applied, DOI 10.1037/xap0000430). Ruhr-Universität Bochum. Stand 20.04.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sucht & Drogen Hotline. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation TelefonSeelsorge Deutschland. TelefonSeelsorge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Reducing Smartphone Use Increases Work Satisfaction (zu Brailovskaia, J.; Siegel, J.; Precht, L.-M.; Friedrichs, S.; Schillack, H.; Margraf, J., Acta Psychologica, DOI 10.1016/j.actpsy.2024.104494). Ruhr-Universität Bochum. Stand 16.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Häufige Fragen. Erste Hilfe Internetsucht, Universitätsklinik Tübingen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Was ist Internetsucht?. Erste Hilfe Internetsucht, Sektion Suchtmedizin und Suchtforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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