Begriffe rund um Internetsucht
Das Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Internetsucht in wenigen Sätzen, von Internetnutzungsstörung und Computerspielstörung über Toleranz, FOMO und Doomscrolling bis zu Sprechstunde, Ausrutscher und Mediennutzungsvertrag. Zu den meisten Begriffen führt ein Link auf die Seite mit den Einzelheiten.

Wer über Internetsucht liest, stößt auf Fachwörter aus Medizin und Suchthilfe und auf Begriffe aus dem Alltag mit Apps und Spielen. Hier stehen die wichtigsten mit einer kurzen Erklärung, sortiert nach Themen. Die Einträge erklären Wörter. Ob bei dir oder einem Angehörigen eine Störung vorliegt, kann nur eine Fachkraft beurteilen.
Begriffe und Diagnosen
Diese Begriffe stammen aus den Klassifikationen der Krankheiten und aus der deutschen Leitlinie.

Computerspielstörung (Gaming Disorder)
Die bisher einzige Form der Internetsucht mit eigener Diagnose. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt sie in der ICD-11 mit eingeschränkter Kontrolle über das Spielen, wachsendem Vorrang vor anderen Tätigkeiten und Weiterspielen trotz negativer Folgen. In der Regel muss das Muster mindestens zwölf Monate lang erkennbar sein [1]. Mehr unter Diagnose: wann Internetnutzung als Krankheit gilt.
DSM-5
Das Diagnosehandbuch der American Psychiatric Association (APA). Die Internet Gaming Disorder steht dort bisher nur in dem Teil, der Zustände für weitere Forschung vorschlägt. Für eine Diagnose müssten fünf oder mehr von neun Anzeichen innerhalb eines Jahres auftreten [2].
Gefährliches Computerspielen
Eine Kategorie der ICD-11 unterhalb der Störung (Code QE22). Gemeint ist ein Spielmuster, das das Risiko schädlicher Folgen für die körperliche oder seelische Gesundheit spürbar erhöht, ohne dass die Kriterien der Computerspielstörung erfüllt sind [3].
ICD-11
Die elfte Fassung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO. Sie gilt grundsätzlich seit dem 01.01.2022. In deutschen Praxen und Kliniken wird bis zur Einführung, die nach dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte noch mehrere Jahre dauert, weiter mit der ICD-10-GM verschlüsselt [4].
Internetnutzungsstörung
Der Fachbegriff für das, was im Alltag Internetsucht heißt. Die deutsche S1-Leitlinie der DG-Sucht vom 20.11.2024 unterscheidet vier Formen: Computerspielstörung, Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung, Pornografie-Nutzungsstörung und Shoppingstörung [5]. Einen Überblick gibt Was ist Internetsucht?.
Riskante und pathologische Nutzung
Zwei Stufen aus der Längsschnittstudie der DAK-Gesundheit. Riskant heißt, dass einzelne Kernkriterien teilweise erfüllt sind, ohne dass bisher eine deutliche Beeinträchtigung besteht. Pathologisch heißt, dass alle Kernkriterien erfüllt sind und das Verhalten den Alltag spürbar beeinträchtigt oder deutliches Leiden verursacht [6]. Zahlen dazu stehen unter Wie verbreitet ist Internetsucht?.
Verhaltenssucht
Eine Sucht, bei der ein Verhalten außer Kontrolle gerät, ohne dass ein Stoff wie Alkohol eingenommen wird. Die S1-Leitlinie zählt Internetnutzungsstörungen dazu [5]. Eine allgemeine Erklärung steht im Glossar von check-dich-selbst.de unter Verhaltenssucht.
Anzeichen und Mechanismen
Ein Teil dieser Begriffe stammt aus den Diagnosekriterien, ein Teil beschreibt, wie Apps und Plattformen gestaltet sind.
Dopamin und Belohnungssystem
Nach der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) werden bei einer Internetnutzungsstörung vermehrt Botenstoffe im Belohnungssystem des Gehirns ausgeschüttet, vor allem Dopamin, das ein angenehmes Gefühl erzeugen kann. Die Entstehung ähnelt nach ihrer Darstellung einer stoffgebundenen Sucht [7]. Mehr unter Ursachen der Internetsucht.
Doomscrolling
Das endlose Scrollen durch negative, stressige oder schlicht zu viele Inhalte. Nach dem Portal "Ins Netz gehen" des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) wirken schlechte Nachrichten als Reiz, weil das Gehirn mögliche Gefahren sofort prüfen will [8].
Entzugserscheinungen
Im Vorschlag des DSM-5 Traurigkeit, Angst oder Gereiztheit, wenn nicht gespielt werden kann [2]. In der ICD-11 sind sie kein eigenes Kriterium [1].
FOMO (Fear of Missing Out)
Die Angst, etwas zu verpassen. Nach "Ins Netz gehen" zielen die meisten Methoden, mit denen Apps Nutzer länger binden, auf diesen Effekt [9].
Infinite Scroll und Push-Nachrichten
Zwei Gestaltungsmittel von Apps. Beim unendlichen Scrollen scheinen die Inhalte nie zu enden, Push-Nachrichten erscheinen auch bei gesperrtem Display und locken zurück in die App [9].
Kontrollverlust
Das zentrale Merkmal: Beginn, Häufigkeit, Dauer und Ende der Nutzung lassen sich nicht mehr steuern [1, 5]. Woran man das im Alltag merkt, beschreibt Symptome der Internetsucht.
Toleranz
Im DSM-5-Vorschlag das Bedürfnis, immer mehr Zeit mit Spielen zu verbringen, um das Verlangen zu stillen [2]. Wie der Begriff in der Suchtmedizin allgemein gebraucht wird, erklärt das Glossar von check-dich-selbst.de unter Toleranz.
Hilfe und Behandlung
Diese Begriffe begegnen dir, wenn du Beratung suchst oder etwas an deiner Nutzung ändern willst.
Ausrutscher und Rückfall
Unter einem Rückfall versteht die Suchthilfe meist, dass jemand nach einer Zeit ohne Suchtmittel wieder in das alte Verhalten zurückfällt. Davon unterscheidet sie den Ausrutscher, einen einmaligen oder auch mehrmaligen, aber nicht schweren Konsum, nach dem die Person wieder zu ihrem Ziel zurückkehrt [10]. Bei Internetsucht hängt es von der selbst gesetzten Grenze ab, was als Ausrutscher zählt. Mehr unter Rückfälle vermeiden.
Digital Detox
Eine Auszeit von der Nutzung elektronischer Geräte [11]. Formen und Studien beschreibt Digital Detox: Pausen vom Netz.
Kognitive Verhaltenstherapie
Ein psychotherapeutisches Verfahren. Nach der S1-Leitlinie hat es sich bisher bei allen Formen der Internetnutzungsstörung als besonders wirksam gezeigt [5]. Mehr unter Therapie bei Internetsucht.
Kontrollierte Nutzung
Das übliche Behandlungsziel. Fachleute sind sich einig, dass Betroffene auf die Anwendungen verzichten, die zum Problem geworden sind, und das Internet im Übrigen kontrolliert nutzen [12].
Mediennutzungsvertrag
Eine Vereinbarung, mit der Eltern und Kinder festlegen, welche Medien und Inhalte wie und wie lange genutzt werden dürfen. Das Online-Werkzeug von klicksafe und Internet-ABC hat Vorlagen für Kinder bis zwölf und über zwölf Jahre [13]. Mehr unter Medienregeln in der Familie vereinbaren.
Psychotherapeutische Sprechstunde
Der erste Schritt vor jeder Psychotherapie, ohne Überweisung. Dort wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, ob eine Psychotherapie helfen kann und ob andere Angebote wie Reha oder Beratungsstellen besser passen [14].
Suchtberatungsstelle
Eine Anlaufstelle, die zu problematischer Computerspiel- und Internetnutzung kostenlos und auf Wunsch anonym berät, auch Angehörige, und weitere Hilfe vermittelt [15]. Adressen stehen unter Beratungsstellen und Hilfetelefone.
- Behörde Addictive behaviours: Gaming disorder (Questions and answers). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 22.10.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Internet Gaming (Physician Review: James Sherer). American Psychiatric Association (APA). Stand Januar 2023. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics: QE22 Hazardous gaming (Wiedergabe des WHO-Eintrags). Weltgesundheitsorganisation (WHO), Wiedergabe bei Find-A-Code. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde ICD-11. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Leitlinie zu Internetnutzungsstörungen (zur S1-Leitlinie "Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen" der DG-Sucht). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wiedemann, H.; Busch, K.; Schlichter, N.; Gebhardt, L.; Paschke, K.: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisbericht 2025/2026 (Studie OTTER, achte Erhebungswelle). DAK-Gesundheit, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Stand korrigierte Fassung vom 08.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Fachgesellschaft Digitale Medien und Internet: Formen und Risiken. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Doomscrolling beim Lernen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Zu viel Zeit am Handy?. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Rückfall: Was ist das? Was tun? Wie vorbeugen? Informationen für Menschen, die von einer Alkoholabhängigkeit betroffen sind, und für ihre Angehörigen. Sucht Info Schweiz, Lausanne. Stand 2010. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Radtke, T.; Apel, T.; Schenkel, K.; Keller, J.; von Lindern, E.: Digital detox: An effective solution in the smartphone era? A systematic literature review. Mobile Media & Communication 10 (2). SAGE Publications. Stand online 15.07.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Computerspiel- und Internetabhängigkeit (Fachthema Sucht, Dr. Daniela Ruf). Deutscher Caritasverband. Stand 21.07.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Mediennutzungsvertrag. Internet-ABC e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Psychotherapie. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Weitere Beratungsmöglichkeiten für Eltern, Lehr- und Fachkräfte. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sucht & Drogen Hotline. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.

