Internetsucht verstehen

Internetsucht beschreibt eine Nutzung von Spielen, sozialen Netzwerken oder anderen Onlineangeboten, über die man die Kontrolle verliert und die trotz negativer Folgen weitergeht. Als eigene Diagnose gibt es bisher nur die Computerspielstörung in der ICD-11 der WHO. Andere Formen werden erforscht.

Ein junger Mann sitzt abends auf dem Sofa in einem dämmrigen Wohnzimmer und hält ein Smartphone in der Hand
Bild: KI-generiert

Das Internet gehört für die meisten zum Alltag, und viele fragen sich, ob sie zu viel Zeit am Smartphone verbringen. Eine Sucht ist das nicht automatisch. Kennzeichen eines krankhaften Internetgebrauchs sind eine übermäßige Nutzung und ein Kontrollverlust, der sich meist auf bestimmte Formen der Nutzung bezieht, etwa auf Spiele oder soziale Netzwerke [1]. Wer verstehen will, was dahintersteckt, kommt mit Fragen nach Formen, Anzeichen, Ursachen und Folgen weiter.

Die Themen im Überblick

Was offiziell als Krankheit gilt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt in ihrer Klassifikation ICD-11 die Computerspielstörung (Gaming Disorder) als eigene Diagnose. Dazu gehören eine eingeschränkte Kontrolle über das Spielen, ein wachsender Vorrang vor anderen Interessen und alltäglichen Tätigkeiten und das Weiterspielen trotz negativer Folgen. In der Regel muss das mindestens zwölf Monate lang erkennbar sein [2]. Nur ein kleiner Teil der Menschen, die spielen, ist nach der WHO davon betroffen [2].

Ein Spielecontroller und ein umgedrehtes Smartphone liegen neben einer Teetasse auf einem Couchtisch
Bild: KI-generiert

Für soziale Netzwerke, Shopping und Pornografie gibt es keinen eigenen Code. Fachleute diskutieren, ob sie in der ICD-11 als "sonstige näher bezeichnete Störungen durch Verhaltenssüchte" (6C5Y) eingeordnet werden können. Eine internationale Fachgruppe sieht dafür bei allen drei Formen Hinweise, unterschiedlich stark belegt, und warnt zugleich davor, Alltagsverhalten vorschnell als Krankheit einzustufen [3].

Im amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 steht die Internet Gaming Disorder bisher nur unter den Zuständen, die weiter erforscht werden sollen. Der Vorschlag gilt ebenfalls nur für das Spielen [7]. In Deutschland wird in Praxen und Kliniken noch nach der ICD-10-GM verschlüsselt; die Einführung der ICD-11 wird nach dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte noch mehrere Jahre dauern [8].

Selbst einschätzen und Hilfe finden

Ob deine eigene Nutzung auffällig ist, kannst du mit dem Mediensucht-Test auf check-dich-selbst.de einschätzen, Jugendliche mit dem Medienkonsum-Check. Ein Test gibt Hinweise, eine Diagnose stellt eine Fachkraft. Wenn du etwas ändern möchtest, findest du unter Hilfe bei Internetsucht Wege von der Selbsthilfe bis zur Therapie.

  1. Organisation Computerspiel- und Internetabhängigkeit (Fachthema Sucht, Dr. Daniela Ruf). Deutscher Caritasverband. Stand 21.07.2020. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Addictive behaviours: Gaming disorder (Questions and answers). Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Brand, M.; Rumpf, H.-J.; Demetrovics, Z. u. a.: Which conditions should be considered as disorders in the International Classification of Diseases (ICD-11) designation of "other specified disorders due to addictive behaviors"? Journal of Behavioral Addictions 11 (2), S. 150 bis 159. Akadémiai Kiadó. Stand 2022, online 2020. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Sucht & Drogen Hotline. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation TelefonSeelsorge Deutschland. TelefonSeelsorge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Internet Gaming (Physician Review: James Sherer). American Psychiatric Association (APA). Stand Januar 2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde ICD-11. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

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