Hilfe bei InternetsuchtRatgeber

Beratungsstellen und Hilfetelefone bei Internetsucht

Bei Internetsucht helfen Suchtberatungsstellen kostenlos und auf Wunsch anonym, auch Angehörigen. Adressen findest du im Suchthilfeverzeichnis der DHS und beim Fachverband Medienabhängigkeit. Telefonisch erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 und die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.

Ein ruhiges Beratungszimmer mit zwei Polsterstühlen an einem kleinen runden Tisch und Pflanzen am hellen Fenster
Bild: KI-generiert

Der erste Anruf bei einer Beratungsstelle fällt vielen schwer. Dabei musst du dort weder eine Diagnose mitbringen noch deinen Namen nennen. Suchtberatungsstellen informieren und beraten zu problematischer Computerspiel- und Internetnutzung, die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Sie ist auch für Angehörige da und vermittelt bei Bedarf weitere Hilfe [1]. Je nachdem, ob du lieber sprichst, schreibst oder jemandem gegenübersitzt, gibt es passende Angebote am Telefon, im Netz und vor Ort.

Hilfetelefone

Am Telefon bekommst du schnell eine erste Einschätzung und Adressen in deiner Nähe. Die Nummern unterscheiden sich in Zielgruppe, Zeiten und Kosten.

Ein junger Mann sitzt im Herbst auf einer Parkbank und telefoniert, im Hintergrund Bäume im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert
AngebotNummerErreichbarKosten
Sucht & Drogen Hotline01806 313031 [2]täglich 8 bis 24 Uhr0,20 Euro pro Anruf
TelefonSeelsorge0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 [3]Tag und Nachtkostenfrei
Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche116 111 [4]Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhrkostenlos
Elterntelefon der Nummer gegen Kummer0800 111 0 550 [5]Mo, Mi, Fr 9 bis 17 Uhr, Di und Do 9 bis 19 Uhrkostenlos
BIÖG-Infotelefon zur Suchtvorbeugung0221 892031 [1]Mo bis Do 10 bis 22 Uhr, Fr bis So 10 bis 18 UhrFestnetztarif

Die Sucht & Drogen Hotline ist ein gemeinsames Angebot der Drogennotrufe aus Frankfurt am Main und München, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stellt das organisatorische Dach. Ein Anruf kostet 0,20 Euro aus dem Festnetz und aus dem Mobilfunknetz, erreichbar ist sie täglich von 8 bis 24 Uhr [2].

Die TelefonSeelsorge ist auf kein bestimmtes Problem festgelegt. Jeder kann sie bei schwierigen Themen Tag und Nacht erreichen, kostenlos und anonym [3]. Das passt, wenn die Belastung gerade groß ist und du nicht bis zum nächsten Morgen warten willst.

Die Nummer gegen Kummer hat zwei Leitungen. Das Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111 ist von Montag bis Samstag zwischen 14 und 20 Uhr besetzt, samstags sprechen dort Jugendliche mit Jugendlichen. Das Gespräch kostet nichts und bleibt anonym [4]. Das Elterntelefon unter 0800 111 0 550 berät Eltern und andere Bezugspersonen anonym und kostenlos, ausdrücklich auch zu Sucht und Stress im Netz [5].

Das BIÖG-Infotelefon zur Suchtvorbeugung unter 0221 892031 ist ein Informationsdienst zu Fragen der Suchtprävention. Es kostet so viel wie ein normales Festnetzgespräch bei deinem Anbieter [1].

Beratung per Chat, Mail und Video

Schreiben hat Vorteile: Du kannst dir Zeit für deine Worte nehmen, niemand hört mit, und die Antwort lässt sich später noch einmal lesen. Mehrere öffentliche und gemeinnützige Stellen bieten das an.

Eine Frau in den Dreißigern sitzt abends am Küchentisch vor einem Laptop, daneben eine Tasse Tee
Bild: KI-generiert

DigiSucht ist die digitale Plattform der Suchtberatung für Betroffene und Angehörige. Sie deckt neben Alkohol, Cannabis und Glücksspiel auch Medienkonsum und Mediensucht ab. Die Beratung ist kostenfrei und anonym und läuft je nach Beratungsstelle per Nachricht, Chat, Videochat oder vor Ort [6]. Entwickelt wurde die Plattform in einem Modellprojekt, dessen Entwicklung und Erprobung bis Ende 2023 das Bundesministerium für Gesundheit finanzierte. Seit 2024 tragen die beteiligten Bundesländer den Betrieb anteilig. Über 500 Suchtberatungsstellen in 14 Bundesländern beraten dort [6].

"Ins Netz gehen" ist ein Angebot des BIÖG zum Thema Mediennutzung. Für Jugendliche gibt es eine kostenlose Beratung per Chat und E-Mail [7]. Eltern, Lehr- und Fachkräfte können eine eigene E-Mail-Beratung nutzen. Dafür registrierst du dich auf dem Portal, die Antworten erscheinen in einem geschützten Bereich. In der Regel antwortet das Beratungsteam innerhalb von zwei Werktagen, an Wochenenden und Feiertagen kann es länger dauern. Anonym bleibt die Anfrage, solange dein Name nicht aus deiner E-Mail-Adresse hervorgeht [8].

Auch die TelefonSeelsorge berät schriftlich. Für den Chat legst du ein Konto an und kannst einen Termin vereinbaren, spontan chatten geht auch ohne Termin, für die Mail schreibst du nach dem Anmelden im Reiter "Mailseelsorge". Name und Adresse musst du nicht angeben, alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht [9]. Die Nummer gegen Kummer bietet eine Onlineberatung, bei der du jederzeit schreiben kannst und innerhalb von zwei Tagen eine Antwort bekommen sollst. Den Chat gibt es von Montag bis Donnerstag zwischen 14 und 20 Uhr [4].

Suchtberatung vor Ort finden

In einer Beratungsstelle kann eine Fachkraft mit dir einschätzen, wie stark die Nutzung deinen Alltag bestimmt, und mit dir einen Plan machen. Drei Verzeichnisse helfen beim Suchen.

  • Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sucht nach Postleitzahl oder Ort im Umkreis von 2 bis 100 Kilometern. Unter "Thema" gibt es den Punkt "Problematische Mediennutzung", dazu Filter für Angebotsart, Sprache und Zielgruppe. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften der Einrichtungen [10].
  • Der Fachverband Medienabhängigkeit führt eine Karte und Adresslisten mit Beratungs- und Anlaufstellen, die sich auf Medienabhängigkeit spezialisiert haben. Die Suche läuft über eine Adresse und einen Radius in Kilometern. Damit sie Ergebnisse liefert, musst du vorher die Kartennutzung auf der Seite "Hilfe finden" einschalten [11, 12].
  • "Ins Netz gehen" hat eine eigene Datenbank mit Beratungsstellen [7].

Manche Großstädte haben Stellen, die nur Verhaltenssüchte behandeln. In Berlin bündelt die Caritas ihre Angebote in einem Zentrum für Verhaltenssucht. Dazu gehört "Lost in Space" mit Beratung und Nachsorge bei Computerspiel- und Internetsucht. Die Hilfe ist kostenlos und richtet sich an Betroffene, an Angehörige und an Menschen, die unsicher sind, ob ihr Verhalten ein Problem ist [13].

Betrifft das Problem vor allem den Familienalltag, etwa weil um Medienzeiten ständig gestritten wird, kommt auch eine Familien- und Erziehungsberatung in Frage. Ein Verzeichnis dieser Stellen führt die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung auf bke.de, die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym [1]. Jedes Bundesland hat außerdem eine Landesstelle für Suchtprävention. Diese Fachstellen findest du über die DHS [1]. Findest du in den Verzeichnissen keine passende Stelle in deiner Gegend, kannst du dort nachfragen, wer in deiner Region zu Mediennutzung berät. Auch die Sucht & Drogen Hotline nennt am Telefon Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in deiner Nähe [14].

Selbsthilfegruppen

In einer Selbsthilfegruppe triffst du Menschen, die Ähnliches erleben. Die Mitglieder sind gleichberechtigt und sichern sich gegenseitig Vertraulichkeit zu, die Teilnahme ist kostenlos und die meisten Gruppen nehmen neue Mitglieder auf. Das beschreibt die DHS für die Sucht-Selbsthilfe [14].

Sechs Erwachsene unterschiedlichen Alters sitzen im Stuhlkreis in einem hellen Gemeinderaum und hören einander zu
Bild: KI-generiert

Gruppen in deiner Nähe findest du über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS). In ihrer Datenbank gibst du ein Thema und einen Ort oder eine Postleitzahl ein. Zusätzlich gibt es dort eine Übersicht digitaler Selbsthilfegruppen, die sich bundesweit online austauschen [15]. Für Jugendliche nennt "Ins Netz gehen" die Seite schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de [1]. Wie du ohne Gruppe selbst anfangen kannst, beschreibt Selbsthilfe bei Internetsucht.

Psychotherapie und Klinik

Reicht Beratung nicht aus, kann eine Psychotherapie der nächste Schritt sein. Dafür brauchst du keine Überweisung. Vor jeder Behandlung steht eine psychotherapeutische Sprechstunde, in der geklärt wird, ob eine Therapie hilft und welche Methode passt [16]. Findest du selbst keine Praxis, vermittelt die 116117 einen Termin. Wurde in der Sprechstunde auf dem Formular PTV 11 eine zeitnahe Behandlung vermerkt, bekommst du einen Vermittlungscode. Dann muss die 116117 innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, der höchstens vier Wochen in der Zukunft liegt, bei einer Akutbehandlung höchstens zwei Wochen. Als Wartezeit insgesamt nennt sie höchstens fünf Wochen, bei einer Akutbehandlung höchstens drei Wochen [16]. Telefonisch ist die 116117 rund um die Uhr erreichbar und mit deutschem Telefonvertrag kostenlos [17].

Einige spezialisierte Kliniken bieten ärztlich begleitete Therapien an. Beratungsstellen helfen dabei, einen Behandlungsplatz zu finden [1]. Für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren mit Medienabhängigkeit wird im Modellprojekt MeKi ein stationäres Reha-Programm mit Nachsorge entwickelt, das die Charité mit Partnern durchführt. Ärztinnen und Ärzte können Betroffene dafür anmelden [7]. Mehr zu Ablauf und Formen steht unter Therapie bei Internetsucht.

Was dich im ersten Gespräch erwartet

Viele fürchten, sich rechtfertigen zu müssen. In der Beratung geht es zuerst darum, wie dein Alltag aussieht: wann du online bist, was du dort machst, was darunter leidet und was du ändern möchtest. Du entscheidest, wie viel du erzählst. Bei Angeboten wie der TelefonSeelsorge oder der Nummer gegen Kummer musst du deinen Namen gar nicht nennen [3, 4]. Bring gern eine Notiz mit, etwa wie viele Stunden du an einem normalen Tag online bist. Die Bildschirmzeitanzeige auf dem Smartphone liefert dafür Zahlen, wie Gesunde Internetnutzung im Alltag zeigt.

Wenn du vorher einschätzen möchtest, wo du stehst, hilft der Mediensucht-Test auf check-dich-selbst.de. Jugendliche finden den Medienkonsum-Check. Machst du dir Sorgen um jemand anderen, lies Hilfe für Angehörige.

  1. Behörde Weitere Beratungsmöglichkeiten für Eltern, Lehr- und Fachkräfte. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Sucht & Drogen Hotline. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation TelefonSeelsorge Deutschland. TelefonSeelsorge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon und Onlineberatung. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Elterntelefon. Nummer gegen Kummer e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation DigiSucht: Digitale Suchtberatung. DigiSucht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Beratung. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde E-Mail-Beratung für Eltern, Lehr- und Fachkräfte. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Ins Netz gehen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Chatberatung. TelefonSeelsorge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Fachgesellschaft Suchthilfeverzeichnis. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Fachgesellschaft Hilfe finden. Fachverband Medienabhängigkeit e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Fachgesellschaft Hilfe finden: Suche. Fachverband Medienabhängigkeit e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Neue Süchte auf dem Vormarsch: Senat unterstützt Caritas-Zentrum für Verhaltenssucht. Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin. Stand 26.06.2024. abgerufen am 29.10.2026
  14. Fachgesellschaft Suchtprobleme in der Familie. Informationen und Praxishilfen für Fachkräfte und Ehrenamtliche, Kapitel 5. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). Stand Auflagenvermerk 9.15.10.22. abgerufen am 29.10.2026
  15. Organisation NAKOS: Selbsthilfe vor Ort finden. Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Organisation Psychotherapie. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  17. Organisation 116117: Der Patientenservice. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.