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Was ist Internetsucht?

Definition, Diagnosekriterien und Abgrenzung zur normalen Nutzung

Internetsucht – auch als pathologische Internetnutzung, Internetabhängigkeit oder Online-Sucht bezeichnet – beschreibt ein zwanghaftes Verlangen, das Internet zu nutzen, das zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag führt. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über ihre Online-Zeit und vernachlässigen andere wichtige Lebensbereiche.

Definition: Was genau ist Internetsucht?

Internetsucht ist eine Verhaltenssucht, bei der nicht eine Substanz wie Alkohol oder Drogen das Suchtmittel darstellt, sondern das Verhalten selbst – in diesem Fall die exzessive Nutzung des Internets. Ähnlich wie bei der Spielsucht oder Kaufsucht entwickeln Betroffene ein zwanghaftes Muster, das sie trotz negativer Konsequenzen nicht aufgeben können.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2018 einen wichtigen Schritt unternommen und die Gaming Disorder (Computerspielstörung) als eigenständige Diagnose in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen. Dies gilt als Meilenstein, da damit erstmals eine Form der Internetsucht offiziell als Krankheit anerkannt wurde. Andere Formen wie Social-Media-Sucht oder Online-Kaufsucht sind noch nicht als eigenständige Diagnosen klassifiziert, werden aber von Experten zunehmend als behandlungsbedürftige Störungen angesehen.

Diagnosekriterien nach ICD-11

Für die Diagnose einer Computerspielstörung müssen nach der ICD-11 folgende Kriterien über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten erfüllt sein:

1

Kontrollverlust

Die betroffene Person hat keine Kontrolle über Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer und Beendigung des Spielens.

2

Prioritätenverschiebung

Dem Spielen wird zunehmend Vorrang vor anderen Aktivitäten und Interessen eingeräumt.

3

Fortführung trotz negativer Konsequenzen

Das Spielen wird fortgesetzt oder intensiviert, obwohl negative Folgen eintreten oder bekannt sind.

Abgrenzung: Wann wird Nutzung zur Sucht?

Nicht jede intensive Internetnutzung ist gleich eine Sucht. In unserer digitalisierten Welt verbringen viele Menschen täglich mehrere Stunden online – sei es für die Arbeit, zur Kommunikation oder zur Unterhaltung. Die entscheidende Frage ist nicht wie viel Zeit jemand online verbringt, sondern welche Auswirkungen diese Nutzung auf das Leben hat.

✅ Normale Nutzung

  • Internetnutzung ist kontrollierbar
  • Andere Aktivitäten bleiben wichtig
  • Soziale Kontakte werden gepflegt
  • Beruf/Schule werden nicht beeinträchtigt
  • Offline-Zeit wird als angenehm empfunden
  • Kein Verheimlichen der Nutzungsdauer

⚠️ Problematische Nutzung

  • Kontrollverlust über die Online-Zeit
  • Internet hat oberste Priorität
  • Rückzug von Freunden und Familie
  • Leistungsabfall in Beruf/Schule
  • Unruhe und Gereiztheit ohne Internet
  • Verheimlichung des Ausmaßes

Internetsucht als Verhaltenssucht verstehen

Bei Verhaltenssüchten aktiviert das Suchtverhalten das Belohnungssystem im Gehirn auf ähnliche Weise wie bei stoffgebundenen Süchten. Wenn wir online Erfolge erzielen, Likes bekommen oder in Spielen vorankommen, schüttet unser Gehirn den Botenstoff Dopamin aus – das sogenannte „Glückshormon". Dieser Belohnungsmechanismus führt dazu, dass wir das Verhalten wiederholen wollen.

Mit der Zeit kann sich eine Toleranzentwicklung einstellen: Die gleiche Menge an Online-Zeit reicht nicht mehr aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Betroffene brauchen immer mehr – längere Spielzeiten, intensivere Inhalte, häufigeres Checken von Social Media. Parallel dazu treten Entzugserscheinungen auf, wenn das Internet nicht verfügbar ist: Unruhe, Gereiztheit, Nervosität bis hin zu depressiven Verstimmungen.

Unterschied zu anderen psychischen Störungen

Internetsucht tritt häufig nicht isoliert auf, sondern gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen. Diese sogenannten Komorbiditäten erschweren sowohl die Diagnose als auch die Behandlung:

  • Depression: Viele Betroffene nutzen das Internet als Flucht vor depressiven Gefühlen. Die Isolation verstärkt jedoch oft die Depression.
  • Angststörungen: Soziale Ängste können dazu führen, dass Online-Kontakte echten Begegnungen vorgezogen werden.
  • ADHS: Die ständige Stimulation durch das Internet kann für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefiziten besonders anziehend sein.
  • Andere Süchte: Internetsucht kann mit Substanzmissbrauch oder anderen Verhaltenssüchten einhergehen.

Verbreitung und Zahlen

Studien zeigen, dass Internetsucht ein wachsendes Problem darstellt. In Deutschland gelten nach verschiedenen Untersuchungen:

600.000 Menschen in Deutschland sind internetabhängig
8,4% der 12-17-Jährigen zeigen problematisches Nutzungsverhalten
2,5 Mio. Menschen nutzen das Internet problematisch

Wann sollte man sich Hilfe suchen?

Wenn du bei dir selbst oder einer nahestehenden Person mehrere der folgenden Punkte erkennst, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen:

  • Die Gedanken kreisen ständig um das Internet
  • Versuche, die Nutzung zu reduzieren, scheitern wiederholt
  • Ohne Internet treten körperliche oder psychische Beschwerden auf
  • Wichtige Beziehungen, der Job oder die Ausbildung leiden
  • Das Ausmaß der Nutzung wird vor anderen verheimlicht
  • Das Internet dient als primäre Flucht vor Problemen

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