Allgemeine Fragen
Was ist Internetsucht genau?
Internetsucht ist eine Verhaltenssucht, bei der Betroffene die Kontrolle über ihre Internetnutzung verlieren. Sie verbringen exzessiv viel Zeit online, vernachlässigen andere Lebensbereiche und können trotz negativer Konsequenzen nicht aufhören. Die WHO hat 2018 die Gaming Disorder als erste Form der Internetsucht offiziell als Krankheit anerkannt.
Ab wann ist man internetsüchtig?
Die Anzahl der Stunden allein ist kein zuverlässiger Indikator. Entscheidend ist, ob die Nutzung zu Kontrollverlust führt, ob andere Lebensbereiche vernachlässigt werden und ob trotz negativer Folgen weitergemacht wird. Wenn diese Kriterien über mindestens 12 Monate zutreffen, spricht man von einer Sucht. Unser Selbsttest kann eine erste Einschätzung geben.
Ist Internetsucht eine echte Krankheit?
Ja. Die Computerspielstörung (Gaming Disorder) wurde 2018 von der WHO in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen. Auch andere Formen werden zunehmend als behandlungsbedürftige Störungen anerkannt. Neurologische Studien zeigen, dass das Gehirn von Internetsüchtigen ähnliche Veränderungen aufweist wie bei anderen Süchten.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In Deutschland gelten etwa 600.000 Menschen als internetabhängig. Rund 2,5 Millionen zeigen eine problematische Nutzung. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren liegt die Rate bei etwa 8,4%. Die Zahlen sind in den letzten Jahren gestiegen, besonders seit der Corona-Pandemie.
Symptome und Erkennung
Woran erkenne ich, ob ich betroffen bin?
Typische Warnsignale sind: Du verbringst mehr Zeit online als geplant, du vernachlässigst Pflichten und Beziehungen, du fühlst dich unruhig oder gereizt ohne Internet, du verheimlichst dein Nutzungsverhalten, du hast erfolglos versucht zu reduzieren. Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, solltest du dich mit dem Thema auseinandersetzen.
Mein Kind sitzt nur noch am Computer – ist das schon Sucht?
Nicht unbedingt. Intensive Nutzung ist bei Jugendlichen verbreitet und nicht automatisch eine Sucht. Warnsignale sind: Leistungsabfall in der Schule, sozialer Rückzug, gestörter Schlafrhythmus, starke emotionale Reaktionen wenn Geräte weggenommen werden. Im Zweifelsfall kann eine Beratungsstelle helfen, die Situation einzuschätzen.
Behandlung und Hilfe
Kann man Internetsucht heilen?
Ja, Internetsucht ist behandelbar. Mit professioneller Hilfe erreichen etwa 70% der Betroffenen eine deutliche Verbesserung. Das Ziel ist meist nicht völlige Abstinenz, sondern kontrollierte, gesunde Nutzung. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Erfolgsaussichten.
Welche Therapie hilft bei Internetsucht?
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist am besten erforscht und zeigt gute Ergebnisse. Sie hilft, problematische Denkmuster zu erkennen und neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Je nach Schweregrad kann die Therapie ambulant oder stationär erfolgen. Auch Selbsthilfegruppen können unterstützen.
Wer bezahlt die Therapie?
Die Kosten für Psychotherapie werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Voraussetzung ist eine Diagnose und ein Antrag auf Kostenübernahme. Stationäre Behandlungen werden oft von der Rentenversicherung als Rehabilitation finanziert. Beratungsstellen können bei der Klärung helfen und sind selbst kostenlos.
Wo finde ich Hilfe?
Es gibt verschiedene Anlaufstellen: Die Sucht- und Drogenhotline (0800 200 800 8) ist rund um die Uhr erreichbar. Suchtberatungsstellen gibt es in jeder größeren Stadt. Online-Beratungen bieten Caritas und Diakonie an. Bei schweren Fällen können spezialisierte Kliniken helfen. Auf unserer Seite "Beratungsstellen" findest du weitere Informationen.
Prävention und Alltag
Wie kann ich einer Sucht vorbeugen?
Bewusste Nutzung ist der Schlüssel: Setze dir Zeitlimits, schaffe bildschirmfreie Zonen und Zeiten, pflege Offline-Hobbys und soziale Kontakte, hinterfrage dein Nutzungsverhalten regelmäßig. Bei Kindern sind klare Regeln, Vorbildfunktion der Eltern und offene Gespräche wichtig.
Muss ich das Internet komplett meiden?
Nein, das ist weder nötig noch sinnvoll. Das Ziel ist ein kontrollierter, ausgewogener Umgang. Das Internet hat viele Vorteile – es geht darum, diese zu nutzen ohne die Nachteile zu erleiden. Völliger Verzicht ist in unserer digitalisierten Welt auch kaum realistisch.
Was ist Digital Detox?
Digital Detox bezeichnet den bewussten Verzicht auf digitale Geräte für einen bestimmten Zeitraum – von einem bildschirmfreien Wochenende bis hin zu mehrwöchigen Auszeiten. Es kann helfen, das eigene Nutzungsverhalten zu reflektieren und neue Gewohnheiten zu etablieren.